Zypern - Eine kurze Reise in die Geschichte
Zyperns Geschichte reicht 9.000 Jahre zurück. Aufgrund seiner
geographischen Lage findet man hier eine Mischung der verschiedensten
Kulturen, wobei die griechische am stärksten ausgeprägt ist.
Es heißt, dass die Griechen die ersten Bewohner der Insel waren, nachdem die
Mykener die ersten Siedlungen hier errichteten. Seitdem entfaltete sich die
griechische Kultur auf Zypern stetig trotz der vielen fremden Herrscher, die
danach strebten die Insel unter ihre Macht zu bringen. Auch wenn einige von
ihnen die Insel nach erfolgreicher Eroberung für kürzere oder auch längere
Zeit beherrschten, so war ihre Herrschaft jedoch immer nur vorübergehend.
Sie hinterließen dabei Überreste ihrer Kulturen, welche von dem Land und den
Menschen übernommen wurden.
Phönizier, Ägypter, Perser, Römer, Kreuzfahrer, Franken, Venezianer,
Ottomanen und Briten waren nur einige der Herrscher, die Zypern eroberten.
Und alle ließen hier ihre Spuren zurück.
Archäologische Ausgrabungen in vielen Gebieten der Insel brachte Licht in
die verschiedenen Phasen der kulturellen Entwicklung der Insel. Funde wie
Kochgeräte, Schmuckstücke, Waffen, kostbare Steine, Gold und Silbermünzen,
Bronzestatuen, die verschiedenste Aspekte des Lebens in der Antike
darstellen, können überall besichtigt werden. Während der verschiedenen
Stadien der Jungsteinzeit, begann die Zivilisation auf Zypern zu erblühen
und von den frühen jungsteinzeitlichen "unkeramischen" Jahren bewegen wir
uns nun zu einer Periode, aus welcher die ersten Beispiele keramischer Kunst
stammen. Mit der Entdeckung und Verwertung von Kupfer trat Zypern in eine
neue Ära, der Kupferzeit, ein. Obwohl Kupfer anfänglich nur begrenzt genutzt
wurde, so gibt es doch Beweise für eine ansteigende Verwertung von Kupfer im
Laufe der Zeit und sogar Export von Kupfer.
Während des Bronzealters entstand als Folge der gewaltigen und
systematischen Einwanderung von griechischen Volksgruppen die
zyprisch-minoische Schrift. Beziehungen zwischen Zypern und der restlichen
griechischen Welt wurden weiter in den Jahren von 1300 bis 1230 v. Chr.
vertieft. Zu dieser Zeit dominierte auf Zypern die griechische Sprache,
Religion und Gebräuche. Neue Städte wurden gegründet, welche sich später zu
unabhängigen Königreichen entwickelten.
Zyperns strategische Position reizte viele Völker und provozierte eine Welle
feindlicher Angriffe von Nachbarstaaten. Wiederholte Überfälle der Assyrer.
Ägypter und Perser sowie sich ereignende Naturkatastrophen zwangen viele
Einwohner, ihre Städte zu verlassen und anderswo Zuflucht zu suchen.
Zypern erfreute sich für kurze Zeit, zwischen 669 und 565 v. Chr. der
Unabhängigkeit nur um danach wiederum von den Ägyptern unterjocht zu werden.
Die zypriotischen Königreiche waren verpflichtet Steuern zu zahlen,
behielten aber ihr Selbstverwaltungsrecht. Obwohl die ägyptische Herrschaft
nur verhältnismäßig kurz anhielt, war ihr großer Einfluss in allen Bereichen
des Lebens bemerkenswert, insbesondere in der Kunst.
Die folgende persische Herrschaft war von Gewalt geprägt. Die zypriotischen
Einwohner revoltierten gegen die ausländische Regierung und Aufstände wurden
mit eiserner Hand unterdrückt, wobei viele Städte belagert und zerstört
wurden.
Die persische Herrschaft endete mit der Vereinigung Zyperns und Alexander
dem Großen. Nach dem Tode von Alexander dem Großen entstand ein Konflikt
zwischen den Ptolemäern und der Antigoniden über Zypern. Der Sohn von
Antigonus wurde vorübergehend Herrscher über Zypern. Schließlich gewann
jedoch Ptolemaios I. die Oberhand. Zyprische Königreiche wurden aufgelöst und
die Insel dem ptolemäischen Reich angeschlossen. In dieser Zeit wurden
einzigartige öffentliche Gebäude wie Theater und Sportplätze errichtet.
Die Ptolemäer wurden von den Römern abgelöst, deren Herrschaft von 50 v.
Chr. bis 330 n. Chr. anhielt. Das Christentum entstand und Zypern war eine
der ersten Regionen, die christianisiert wurden. Die Stärkung des
Christentums war von der Errichtung des ersten Bistums auf der Insel
gekennzeichnet.
Die enorme Größe des römischen Reiches führte zu einer Teilung in zwei
Staaten; das Ostbyzantinische Reich und das West-Reich (römisches Reich).
Zypern wurde dem byzantinischen Reich einverleibt. Damit endete auf Zypern
das römische Zeitalter, welches auch das Ende des Altertums bezeichnet.
Zypern war nun Teil des glorreichen byzantinischen Reiches, gegründet von
Konstantin dem Großen in Konstantinopel und zusammen mit der restlichen
byzantinischen Welt kämpfte es große Kriege für den orthodoxen Glauben und
nahm gleichermaßen Anteil an deren Ruhm und Leid. Wiederum musste die Insel
feindlichen Überfällen besonders von arabischen Angreifern standhalten. Im
Jahre 1191 überfiel Richard Löwenherz die Insel auf seinem Weg ins Heilige
Land. Seine Truppen eroberten und plünderten das Land. Später, im gleichen
Jahr, wurde Zypern von den Templer-Rittern gekauft, was das Ende der
byzantinischen Epoche und die Einführung des fränkischen Zeitalters
ausmachte.
Mit der Ankunft vieler edler Grundbesitzer auf Zypern wurden die Einwohner
der Insel auf den Stand von Sklaven herabgesetzt. Die römische Kirche wurde
gegründet, was die Verfolgung des orthodoxen Glaubens mit sich brachte.
Burgen und Paläste, römische Kirchen und Festungen wurden errichtet und
ausländische Händler ließen sich auf der Insel nieder. Handel zwischen Ost
und West wurde über Zypern geleitet, was der Insel großen Reichtum
einbrachte.
Zusammenstöße zwischen Venezianern, Lusignans und Genuanern den
Kolonialherren auf Zypern waren an der Tagesordnung. Die Venezianer gewannen
dabei die Oberhand und errichteten Festungen, um ihre Städte zu verteidigen.
Aufgrund der ständigen Kämpfe auf der Insel war Zypern in seiner
Verteidigung derart geschwächt, dass Angriffe der Ottomanen nicht
zurückgeschlagen werden konnten und die Ottomanen die Insel eroberten. Die
Hauptstadt Nikosia musste sich ergeben und die restlichen Städte
kapitulierten nach langer Belagerung ebenfalls.
Zypern wurde dem ottomanischen Reich angeschlossen und aus dieser Zeit
stammen die ersten Berichte von türkischen Siedlern auf der Insel. Zypern
ging allmählich auf den Niedergang zu. Das war einerseits auf unbarmherzig
hohe Besteuerung und andererseits auf die schlechte Verwaltung der Insel
zurückzuführen. Viele Christen wurden damals gezwungen, dem Islam
überzutreten und Widerstand wurde mit Massenhinrichtungen und Sklaverei
bestraft.
Im Jahre 1821 fand eine griechische Revolution gegen die ottomanische
Herrschaft statt. Viele griechische Zyprioten nahmen an dem nationalen
Aufstand teil und zahlten einen hohen Preis für diese Tat. Im Jahre 1878
trat der Sultan, dessen Staat am Rande des Ruins stand, die Insel an die
Engländer ab. Der Übergang von der ottomanischen Herrschaft in die britische
Kolonialisierung ging bemerkenswert friedlich vonstatten, da die Menschen in
den Engländern eine freundliche, europäische Nation sahen.
Im Laufe der Zeit änderte sich aber diese Meinung und die griechischen
Zyprioten strebten nach der Vereinigung mit
Griechenland. Man versprach
ihnen während des ersten Weltkrieges den Anschluss an Griechenland, unter der
Bedingung, dass Griechenland den Alliierten gegen Deutschland beitritt.
Griechenland schloss sich den Alliierten an, aber das Versprechen an Zypern
wurde nie eingelöst und es fanden gelegentlich Aufstände statt. Ein
Umsturzversuch, angeführt von den griechischen Zyprioten im Jahre 1931
führte zur Verbannung des Erzbischofs _-anderer hochgestellter
Persönlichkeiten - Ausland.
Nach dem zweiten Weltkrieg kam wiederum Hoffnung innerhalb der griechischen
Bevölkerung auf, dass die erkämpften Grundsätze von Recht und Freiheit auch
Auswirkungen auf die Lage er Insel haben würde. Der Ruf nach "Enosis"(Vereinigung)
wurde immer lauter. Ein bewaffneter Freiheitskampf begann. Erzbischof
Makarios IlI. und Gouverneur Harding trafen zu, ergebnislosen Verhandlungen
zusammen und Makarios wurde ins Exil geschickt. Es kam zu gelegentlichen
Attacken von türkisch-zypriotischen Terroristengruppen gegen griechische
Landsleute. Unter diesen Umständen wurden erneute Verhandlungen aufgenommen,
welche zu dem Zürich-London-Abkommen führten, in welchem die Voraussetzungen
für einen Unabhängige Republik Zypern festlegt wurden.
Im Jahre 1960 wurde Zypern offiziell zur unabhängigen Republik ernannt.
Verschiedene "technische Besonderheiten" machten jedoch die Durchführung des
Abkommens unmöglich und Makarios unterbreitete einen Vorschlag zur
Verfassungsänderung. Bestimmte Elemente innerhalb der türkisch-zypriotischen
Minderheit verursachten daraufhin Unruhen und führten terroristische
Anschläge durch.
1964 folgten Luftangriffe der Türkei gegen Zypern. Das griechische
Diktaturregime im Jahre 1967 und seine Vertreter auf Zypern bildeten dann
die Spitze des Eisberges. Die sich verschlechternde Beziehung zwischen der
griechischen Junta und Makarios führte dann am 15. Juli 1974 zu einem Putsch
auf Zypern mit dem Ziel Makarios, zu stürzen. Unter dem Vorwand, die
türkische Minderheit Zyperns zu schützen, welche sich durch die Ereignisse
zwar nicht in Gefahr befand, da die Krise sich innerhalb der griechischen
Gemeinschaft abspielte, besetzte die Türkei am 20.07.1974 den Nordteil der
Insel. 200.000 Menschen wurden zu Flüchtlingen und das Schicksal von 2.000
griechischen Zyprioten und Griechen ist bis heute, nach fast 27 Jahren.
nicht bekannt.
Zypern sehnt sich danach. dass die Wunden der Vergangenheit heilen und eine
Lösung zur Zypernfrage zum Wohl der kommenden Generationen gefunden wird. Es
wurden einige ernsthafte Schritte nach vorn unternommen, der letzte davon
war der Antrag zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union.
Angesichts der turbulenten Geschichte der Insel, ist es kein Wunder, dass
sich auf Zypern eine derartige Vielzahl von bemerkenswerten Schauplätzen
befinden. Altertümliche Siedlungen aus der Jungsteinzeit, antike Tempel und
Heiligtümer, griechische und römische Theater. christliche Basiliken,
Mosaiken und Fresken, Byzantiner- und Kreuzfahrerburgen und Festungen,
gotische Kirchen und venezianische Mauern, islamische Moscheen und Gebäude
aus der Kolonialzeit. Die meisten sind für Besucher zugänglich und geben die
Möglichkeit, für eine Weile die Herrlichkeit, das Leid und die Mystik, die
diese Stätten umgeben, zu erleben.
Man sollte sich diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen, zumal die
Entfernungen auf Zypern verhältnismäßig gering sind. Man könnte fast sagen,
dass alles nur einen "Steinwurf" voneinander entfernt liegt.
